…oder wie wir es nach einiger Zeit nannten: Gay Break Europe. Dazu aber später mehr. Aus einer Laune heraus haben wir vor etwas über einem Monat beschlossen, Tickets für Spring Break Europe in Kroatien zu buchen. Das Original aus den USA dürfte wohl den meisten bekannt sein. Dort treffen sich jedes Jahr im Frühjahr Tausende Studenten z.B. in Florida oder Cancún, um sich über zwei Wochen in einen rauschartigen Zustand zu begeben und der Fleischeslust zu frönen. Als die Idee und die damit verbundene Vorfreude noch in unseren Köpfen reifte, ahnten wir jedoch noch nicht, dass dieser Tripp eher einer Episode ‘Pleiten, Pech und Pannen’ als einem unvergesslichen Partywochenende gleichen würde. Vorweg eine Pannenerläuterung: Leider gab meine Kamera unmittelbar nach der Ankunft den Geist auf. Deshalb habe ich auf die freundlicherweise zur Verfügung gestellten Fotos des Veranstalters zurückgegriffen.
Nichtsdestotrotz wurden direkt im Anschluss weitere Partyjünger aktiviert und ein konspiratives Treffen einberufen, um den weiteren Werdegang zu besprechen. Nach einer Weile stand fest: Wir wollten mit dem Partyzug anreisen und uns in den angepriesenen Bungalows einnisten. Dieser Plan wurde aber zehn Minuten später wieder verworfen, da beides schon ausgebucht war… Also entschieden wir uns, einen Neunsitzerbus zu mieten und auf dem Campingplatz zu zelten. Soweit so gut. Bereits zwei Wochen später ergab sich aber schon das nächste Problem. Da zwei, drei Leute absprangen, ging die Suche nach neuen Feierwütigen los. Letztendlich fuhren wir mit einer siebenköpfigen, bunt zusammengewürfelten Männergruppe leicht verspätet am Donnerstagabend gegen 22.00 Uhr los.
Nach ca. zwölf Stunden Fahrt erreichten wir die kroatische Grenze – endlich! Die Müdigkeit der Nacht wich absoluter Vorfreude – immerhin lag das Event nur ungefähr eine Stunde hinter der Grenze. Leider wurde die Freude durch den Zollbeamten etwas getrübt, als dieser uns auf einen Parkplatz winkte. Wir wissen immer noch nicht, ob es am Bus selbst, den Aufklebern oder an der Gummipuppe auf dem Beifahrersitz lag. Letztendlich war aber wohl der als gestohlen gemeldete Pass von einer unserer Jungs der ausschlaggebende Punkt. Nach zwei Stunden war die Sache Gott sei Dank endlich geklärt, und wir konnten die Reise fortsetzen. Endlich in Rovinj angekommen, ging’s gleich an den Main Check In, um die Unterlagen incl. Tickets für die extra im Vorfeld gebuchte Cruise Missile Tour (Partyschiff) am nächsten Tag abzuholen. Nach 13 Stunden hatten wir es dann endlich geschafft: Ankunft auf dem Campingplatz. Der erste Eindruck war durchaus positiv. Ein weitläufiges Areal mit vielen Bungalows und großen Grünflächen, vielen Sanitäranlagen und dem angrenzenden Sammelpunkt für alle incl. Pool.
Beim Zeltaufbau bewahrheitete sich eine alte Weisheit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Der Schlaubischlumpf, dem ich zuvor mein Zelt geliehen hatte, hatte klugerweise die Heringe nicht wieder in die Verpackung gepackt. Nach kurzen Terroranrufen blieb aber nichts anderes übrig, als nach Alternativen zu suchen. Glücklicherweise waren um uns herum überall kleine „Heringshops“ verteilt, an denen wir uns in einer ruhigen Minute bedienten. Nachdem der Aufbau beendet war, konnte es endlich zum angenehmen Teil des Tages übergehen. Das Opening stand auf dem Plan und Tausende fanden sich nach langer Anreise am Pool zusammen. Für mich endete diese Veranstaltung jedoch leider schon zwischen 16 und 18 Uhr. (Bei den Zeitangaben musste ich mich auf Tipps aus der Bevölkerung verlassen.) Aufgrund einer unglücklichen Mischung aus Schlafmangel und dem ein oder anderen Trichter, ging’s schon früh am Abend zurück ins Zelt. (Zumindest bin ich da morgens aufgewacht.)
Trotz des verpassten Openings am Vortag bin ich samstags relativ früh und gut gelaunt aufgewacht – immerhin stand ja die Tour mit dem Partyschiff auf dem Plan – einer, wenn nicht DAS Highlight des Trips. Dummerweise hatte ich aber am Vortag einen Kollegen zum Main Check In geschickt und danach vergessen, die Unterlagen wieder in meine sicheren Hände zu nehmen. Das rächte sich jetzt. Er hatte zwar noch alle Rechnungen und Bestätigungen, die Tickets aber hatte wohl nach genauer Analyse ein ominöses schwarzes Loch in der Mittelkonsole verschlungen. Damit war die Laune im Keller. Nur mit Mühe und Not konnten wir einige von ihren Mordgedanken abbringen.

Official Opening
Gegen Mittag konnte die Stimmung durch den Wet T-Shirt Contest in Villas Rubin wieder etwas gehoben werden. Im Vorprogramm übernahm Kollege Drews das Zepter. Mit roter Latexhose und hautengem Shirt heizte der mittlerweile 65-Jährige ordentlich ein. Vor allem wohl sich selbst. Nach in paar Songs gönnte er sich nämlich, samt Mikro, eine Abkühlung im Pool und sang dort trotz Belagerung munter weiter. Auch eine wirklich miese Attacke eines Volltrunkenden wenig später auf dem Steg brachte ihn nicht aus dem Konzept. Dieser schlich sich von hinten an ihn ran, klaute ihm die Krone, schubste ihn samt Mantel in den Pool und ließ sich feiern. Das Mikro überstand diese Attacke verständlicherweise nicht. Wohl auch deshalb gab es im Anschluss nur noch einen Song mit einem Kabelbehilfsmikro. Trotzdem – äußersten Respekt für die Gelassenheit, mit der er solche Attacken hinnimmt. Wobei man nach so vielen Jahren auf Mallorca wohl schon ganz andere Sachen gewöhnt ist.

Beim anschließenden Wet T-Shirt Contest hätte ich nicht erwartet, dass so viele Kandidatinnen gefunden werden. Was hier abging, war wirklich krass. Das Zusammenspiel aus nackter Haut und Besoffenen hätte auch gut als Tierdoku durchgehen können. In Sekunden füllte sich der Pool mit Männern, die sich um den Laufsteg auf die Lauer legten. Zu gewinnen gab es Erste-Reihe-Tickets für das David Guetta-Konzert am darauffolgenden Tag. Die Mädels dachten sich wahrscheinlich, wie anscheinend unzählige andere Gäste auch: „Das ist so weit weg, hier kennt mich eh keiner.“ Umso amüsanter ist es, wenn auf sämtlichen (!) Fotoportalen in den umliegenden Ländern Bilder und Videos der angehenden Gogo-Queens zu finden sind. (Unteranderem auch auf Bild.de, ORF und RTL) Als die verdiente Gewinnerin dann, zusammen mit den anderen Finalistinnen, auf Schultern durch den Pool getragen wurde, durfte jeder noch mal die gewinnbringenden Zwillinge begrabschen liebkosen. Ein herrliches Schauspiel – ähnlich wie beim Sommerschlussverkauf am Wühltisch in einem türkischen Billigladen, danke dafür!
Wieder zurück in Amarin wurde es dringend Zeit für das ein oder andere Kaltgetränk, um die Gemüter weiter abzukühlen. Der Ärger über die verbummelten Tickets saß immer noch tief, vor allem, als das Boot vollgepackt und mit dröhnender Musik vor unseren Augen am Strand entlang fuhr. Trotz allem stieg die Stimmung mit steigendem Pegel, langsam aber sicher. Am Abend stand eine Sause mit Darius & Finlay (wer auch immer das sein mag) auf dem Programm. Einige von uns hatten sich extra ihr Karnevalskostüm eingepackt und wollten damit am gleichzeitig stattfindenden Kostümcontest mitmachen. Dank des bösen, bösen Trichters gerieten wir aber in eine garstige Zeitanomalie, aus der wir uns erst nach dem Contest wieder befreien konnten. (Einige Stimmen behaupten, sie stände in enger Verbindung mit dem schwarzen Loch aus der Mittelkonsole.) Somit war das Preisgeld von 500 € auch flöten gegangen. Die Party an sich war aber wirklich O.K. und wurde beim Sonnenaufgang am darauffolgenden Morgen mit Sky and Sand beendet, phänomenal!

Nach zwei Stunden Schlaf und deutlich gerädert ging’s wieder Richtung Villas Rubin, um dem DJ aktuellen Chartstürmer David Guetta vor einer klasse Kulisse und Sonnenschein zu lauschen. Dieser wurde per Jacht und umzingelt von Bodyguards hinter der Bühne abgeladen und spielte ein exakt zwei Stunden langes Set. Länger hätte ich für 120.000 Euro (!) aber auch nicht gespielt… Die Musik passte gut zum Ambiente und war überraschenderweise ganz cool. Die Anlage war sehr druckvoll, die Stimmung ausgelassen. Die „VIP-Bühne“ war aber äußerst fragwürdig. Durch Überfüllung glich es eher einer Legebatterie, und selbst Leuten mit VIP-Pass wurde der Einlass verwehrt. Anscheinend auch deshalb wurde mit fortgeschrittener Stunde einer nach dem anderen durch die Security nach draußen begleitet geschmissen. Die Brutalität, die hier teilweise angewendet wurde, glich geheimen Aufnahmen von Polizeieinsätzen aus den USA, äußerst uncool! Zurück in Amarin gab’s eine ‘Hangover-Party.’ Außer einem ordentlichen Kater erinnerte aber weiter nichts daran, und war eigentlich das selbe wie die Abende zuvor. Die Party endete unspektakulär in der Nacht. Man wollte wahrscheinlich vermeiden, dass die Gäste die Abreise am nächsten Morgen verpassen.

David Guetta Sonntagnachmittag
Beim Auschecken zeigte sich, dass wir mit unserem Zeltplatz Glück im Unglück hatten. Diejenigen, die nämlich ein Appartement hatten, durften sich auf ewig lange Schlangen freuen. Viele Beschädigungen und Verunreinigungen zogen elend lange Diskussionen nach sich. Was ich mitbekommen habe war teilweise äußerst Dreist: 30 Euro für ein verdrecktes Handtuch, 150 Euro für einen Campingstuhl etc. Die anschließende Heimreise stellte für mich mit den schönsten Teil der Reise dar. Atemberaubende Landschaften in Österreich, die man sonst nur aus dem Bilderbuch kennt und ein kurzer Stopp beim Chiemsee. Hierhin werde ich definitiv noch mal zurückkommen.
Tipps: Wer plant, das nächste Spring Break Europe zu besuchen, sollte sich auf jeden Fall früh genug um Tickets kümmern. So kann man auswählen und sich den Trip individuell zusammenstellen. Es empfiehlt sich zudem zu fliegen. (Zumindest, wenn man aus den westlichen Regionen kommt). Mit Ryanair hätte uns der Flug 30 Euro hin und zurück gekostet,. Leider haben wir zu spät darüber nachgedacht. Neben der Preisersparnis ist es auch um einiges stressfreier. Trotz des beschriebenen Chaos am Check Out würde ich außerdem einen Bungalow einem Zeltplatz für das Wochenende vorziehen. Er ist nur unwesentlich teuer als campen und der um einiges höhere Partyfaktor entschädigt für den Aufschlag. Sichert euch früh genug ausreichend Bons, die Schlangen können einem echt die Stimmung vermiesen. Ganz wichtig zum Abschluss: Solltet ihr nicht unbedingt schwul sein, fahrt nicht ausschließlich dahin, um jemanden klar zu machen.
Fazit: 10.000 Menschen aus verschiedenen Nationen + eine Stadt = 50 Mrd. Promille. Wenn man nicht rund um die Uhr Knallgas fährt, wird’s grenzwertig. Das Wochenende wurde durchzogen von Pannen und damit verbundenen Stimmungsschwankungen. Fairerweise muss man sagen, dass das natürlich größtenteils an uns lag. Trotzdem hatten wir die Erwartungen für das hochgelobte und vielangepriesene Event wohl zu hoch gesteckt. Obwohl es mich nicht weiter interessiert hat, störte es schon etwas, dass die Tanzfläche einem Käfig mit 2.000 Löwen glich, in den man 2 Stücke Fleisch schmiss. Auf eine Frau kamen ca. 200 Männer. Die Organisation bedarf deutlicher Verbesserung. Vor allem beim Bonverkauf, Theke, Check In/Out und Shuttleservice. Hätte unser Schlaubischlumpf nicht so ein schlechtes Gewissen gehabt, hätten wir zusammen mit Hunderten mehrere Stunden auf die Busse warten müssen.
Wenn ich fünf Jahre jünger gewesen wäre, mit weniger Anstand Hemmungen und durchgehend Knülle, wäre es sicherlich die angekündigte ‘Party meines Lebens’ gewesen. So war es leider nur ein durchschnittliches Partywochenende inmitten einer tollen Kulisse. Es war ganz cool, das mal miterlebt zu haben, muss ich aber so nicht noch mal haben.